Corona-Hotspot Landkreis Greiz

Der Landkreis Greiz ist mal wieder ganz vorne mit dabei, wenn es um das Infektionsgeschehen in der Corona-Pandemie geht. Stand heute, 11. März liegt die Inzidenz bei 331 und damit am höchsten bundesweit. Doch wie kommt das?

In einem OTZ-Artikel vom 08.03.2021 (https://www.otz.de/regionen/greiz/kreis-greiz-nun-trauriger-spitzenreiter-bei-corona-inzidenz-in-thueringen-id231746073.html) wird bestätigt, dass es in der vergangenen Woche, also vom 01.03. bis 07.03. 279 Abstrichtests gegeben habe. In dieser Zeit stieg die 7-Tage-Inzidenz auf über 265. Das heißt, es gab fast ausschließlich positive Tests.

Im selben Artikel wird implizit bestätigt, dass man symptomlose Kontaktpersonen bisher nicht getestet habe und dies nun zu ändern gedenke. Das heißt, dass es bei den 279 Tests ausschließlich um Personen geht, die entweder Symptome hatten oder aus anderen Gründen (z.B. positive Schnelltests) freiwillig einen Test für sich organisiert haben. Es ist wenig verwunderlich, dass man für die meisten der Fälle keinen Zusammenhang, also keine Infektionskette nachvollziehen kann. Man hat es ja offensichtlich nicht einmal versucht. Im gleichen Artikel ist die Rede davon, dass bei 80 Neuinfektionen am Wochenende (06. und 07.03) laut Gesundheitsamt Greiz 20 Prozent dem Bereich Schule und Kita zuzuordnen sind. Zur Erinnerung, die Schulen waren lediglich eine Woche geöffnet, bis sie aufgrund der Inzidenz von über 200 wieder geschlossen wurden. Geöffnet wurde ausdrücklich gegen die Empfehlungen des Landes. Dieses hatte eine Schließung zwar nicht vorgeschrieben, aber nachdrücklich empfohlen, wenn die Inzidenz über 150 aber unter 200 liegt. In zwölf Kindertagesstätten und acht Schulen des Kreises gibt es laut obigem Artikel inzwischen positive Fälle. Die Wahrscheinlichkeit scheint bei einer Inkubationszeit von 5-7 Tagen hoch, dass einige dieser Fälle bereits vor der Öffnung ohne es zu wissen infiziert waren und über die Verbreitung in Schulen und Kitas noch wesentlich mehr Fälle auftreten werden.

Nur wenig später forderte die Landrätin Martina Schweinsburg das Land Thüringen auf, Schnelltests zu organisieren und die Schulen auch bei hoher Inzidenz wieder zu öffnen. (OTZ / https://www.otz.de/politik/landkreise-fordern-mehr-freiheit-fuer-schuloeffnungen-in-der-pandemie-id231766125.html ) Es zeugt schon von besonderer Dreistigkeit, nach dem eigenen Versagen zuerst die Schuld beim Land zu suchen und im zweiten Schritt gegen die Eindämmungsmaßnahmen zu schießen. Niemand hätte die örtlichen Behörden daran gehindert, Kontaktpersonen konsequent zu testen – ob mit selbst georderten Schnelltests oder PCR-Tests. Es wäre an Frau Schweinsburg gewesen, dafür zu sorgen, dass Infektionsketten offensiv nachverfolgt werden. Auch die Schulen hätte man bei einer Inzidenz von über 150 nicht sofort öffnen müssen, gerade wenn man doch offensichtlich genau wusste, dass aufgrund der nachlässigen Teststrategie mit einer steigenden Inzidenz gerechnet werden muss. Hätte man in den letzten Wochen viel getestet und Kontakte konsequent verfolgt, wäre eine Öffnung eher noch vertretbar gewesen.

Was sich hier in Greiz abspielt, ist ein Versagen mit Ansage. Man hat entweder aus einem Jahr Pandemie nichts gelernt oder verfolgt die Strategie, die Inzidenz durch möglichst wenige Tests künstlich niedrig zu halten. Dieses Vorgehen gefährdet jegliche Öffnungsperspektive und bringt nicht zuletzt die Gesundheit der Bevölkerung in Gefahr. Bis heute wurden keine Zahlen veröffentlicht, wieviele Menschen eigentlich in Quarantäne sind oder waren.

Ich befinde mich übrigens selbst in Quarantäne und habe heute einen Termin für einen PCR-Test. Freiwillig beim Hausarzt. Als Kontaktperson scheint mir das vernünftig. Das Gesundheitsamt fand das nicht zwingend notwendig…

Bildquellen

  • hotspot greiz: eM.

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